Sonntag, Tübingen. Mit ihren gestelzten, gedrechselten und irgendwie gekränkt klingenden Halbverrissen, mit ihren kritelnden Einwendungen um der Einwendungen Willen (so mein Eindruck) passen die ZEIT– u.ä. Kritiker des Films Beuys exakt in jene gesellschaftliche Kategorie, die der Jahrhundertkünstler mit seinen Aktionen und Installationen angreifen wollte. Beuys‘ Provokationen des Establishments funktioniert offensichtlich bis heute: Die zehn minütige Öhm-Öhm-Rede vor den Honoratioren der Düsseldorfer Akademie, bei der von der ersten Sekunde an Schockstarre sich ausbreitete und keiner im Publikum zu lachen wagte – wo Beuys selber doch so gerne lachte, besonders über sich – , der Besuch des eigens nach Deutschland angereisten Andy
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Ziemlich
Du weißt ja, ich bin ziemlich verrückt, sagt Lara. Und lacht so und ist schon wieder weiter Richtung Müller, Mittagspause und so. Ja, is‘ klar! Vor allem weiß ich, dass sie sich verrückt findet: Nicht nur ziemlich, sondern total, das ziemlich ist reine Koketterie. Ich bin ziemlich verrückt klingt eben komplett anders als: Ich bin verrückt. Das geht ja schon ins Bedenkliche, Selbsteinweisung und Tabletten und dieser ganze Bahnhof. Und ist damit genau das, was Lara nicht meint. Lara findet sich super unnormal im positiven Sinne. Was ist schon normal, fragt sie auch oft. Blöde Frage! Weiß doch jeder, was normal ist.
WeiterlesenWE – und kein Bücherfest
Freitag. L. und B. zu Besuch – einfach nur schön und das Gefühl, es geht auf gute Weise weiter. T. kam auch vorbei, ich hab gekocht und Muffins geholt, und Steve ist eigentlich sowieso immer dabei, ist ja schon fast so was wie ein family-Mitglied. Große Tischrunden und volle Schüsseln – damit nimmst du Platz im Leben … Am Wochenende ist Bücherfest, und wenn gleich PM kommt, gehen wir nicht hin, sondern legen uns in die Sonne. Special Form von Freiheit …
WeiterlesenJulian Assange – immer noch nicht frei
Freitag. Die schwedische Staatsanwaltschaft hat mitgeteilt, sie werde die Ermittlungen zu den Vergewaltigungsvorwürfen gegen WikiLeaks-Gründer Julian Assange einstellen. Seit 2012 lebt er in der ecuadorianischen Botschaft in London. Von dort sagte Assange heute: „Detained for 7 years without charge by while my children grew up and my name was slandered. I do not forgive or forget.“ (London, 15:04 – 19 May 2017) Hat das mit der Vergewaltigung irgendwer je geglaubt?
WeiterlesenLutherjahr
Donnerstag. Mein wahrscheinlich einziger Beitrag zum Lutherjahr 2017 (auf FB): Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort, die ich – ich oute mich an der Stelle – als ev. Theologin sehr zu schätzen weiß und zum größten Teil nur bestätigen kann. Sie enthält allerdings einen Widerspruch in sich: Indem Du rein theologisch argumentierst, bestätigst Du ja geradezu, dass es Luther ausschließlich um Religion ging. Er war kein Rassist. Und das halte ich absolut nicht für eine Spitzfindigkeit. Ich komme selber aus einer mütterlicherseits jüdischen Familie. Was das heißt, Verwandte in Ausschwitz verloren zu haben, wie sich das auch noch auf die
WeiterlesenMein Leben ohne mich
Man sagt ja immer, Bücher suchen sich ihre Leser. Mich hat eins gesucht und gefunden. Genau das Richtige für mein derzeitiges Mindset, was das Thema Tod angeht, mit dem ich mich wg. des Buchprojektes seit Jahren intensiv beschäftige: Jutta Winkelmann: MEIN LEBEN OHNE MICH. Ein Text von knapp 130 Seiten, der mir von der Mache her gefällt – nicht gefällig, sondern ganz im Gegenteil sperrig, aus sehr speziellen Erfahrungen erwachsen, niemals plattitüdenhaft. Ganz anders als alles andere, was sich in den Medizin- und Psychoabteilungen zu der Thematik sonst so finden lässt. Der Tod ist unakzeptabel! Jede kleinste Besserung, und sei
WeiterlesenDunkel
Sonntag. Fahren im unbeleuchteten Zug. Die DB ist manchmal einfach doof. Schwäbische Sparsamkeit, witzelt einer aus der anonymen Schwärze der Nacht. Oder ist das noch eine Auswirkung von dem Hackerangriff gestern? Die Anzeigetafeln auf den Bahnhöfen funktionieren nämlich auch alle nicht. Hier und da das bläuliche Licht eines Mobilphones. Keiner mosert, man gewöhnt sich an alles. Im Tunnel wird es dann strange. Mit so vielen Menschen auf so dichtem Raum in so kompletter Finsternis … Mord im Dunkeln. PM bedrücken irgendwelche Probleme in der Klinik. Manchmal staune ich, wenn er von diesem mir fremden Universum erzählt. Will er es so,
WeiterlesenWarten
Sonntag. Meine übernächste Interviewpartnerin ist gerade in USA und kommt vielleicht später zurück als ursprünglich geplant. Unser Termin verschiebt sich dann. Auf sowas muss ich vorbereitet sein. Das sind Leute, die leben komplett anders als ich. Ich weiß inzwischen so viel über sie. Seit Wochen bereite ich mich auf sie vor. Jetzt bin ich heiß auf die Begegnung. Während ich für meine eigentliche Arbeit, das heißt, für meinen Brotberuf, gerade so tierisch viel arbeiten muss, dass ich schon ganz dumpf im Kopf bin, ist das andere, die Recherchearbeit, so to say die Belohnung. Abends. Oder eher nachts. Diese Geschichte fasziniert
WeiterlesenLechts und rinks
Wer Politiker Marionetten nennt (Xavier Naidoo for example), ist rechts. Alles klar. Was ist dann eigentlich links? Irgendwie stimmen die alten Koordinaten nicht mehr … Könnte bitte mal einer ein Definitions-Update übernehmen? Müsste doch noch so eine Art Konsens herstellbar sein. Ich finde übrigens auch, dass ziemlich viele Menschen wie Marionetten handeln, auch ziemlich viele Politiker. Verdammte Axt, bin ich jetzt auch rechts? Gut, dass ich kürzlich meine FB-Seite (Links und Likes) einer Überprüfung über dieses Test-Dingens unterzogen habe. Da war ich eindeutig dem Lager der LINKEN zugeordnet. Gehör ich jetzt überhaupt noch zu den Guten? Oder sind Linke auch scheiße?
WeiterlesenMond
Donnerstag. Weißgolden, scharfkantig, bombastisch hängt der Mond über dem Galgenberg, so dicht überm schwarz gezacktem Horizont, als wollte er gleich runter rollen. Wir bleiben stehen, Thea und ich, kommen aus der Lorettokneipe zurück, wir arbeiten beide zu viel und das Glas Rotwein hat uns nicht wirklich besänftigt, wir bleiben stehen und starren den Mond an, guck mal, sagt Thea, heute ist er ganz voll, ich dachte gestern war Vollmond, aber heute ist er erst echt perfekt. Perfekter Vollmond, du Dramaqueen, du! Musst du einem schon wieder so zusetzen …
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