Alles klar, Mann

Donnerstag. Wenn einer dir entgegenkommt in der Affenhitze des Mittags und den Kopf so wegdreht, dass du sein Genick praktisch knarzen hörst ( ich muss an Der Tod steht ihr gut denken, wo Maryl Streeps Kopf sich drei Mal um die eigene Achse dreht), wenn der so vollkommen interessiert die Auslagen eines Tabakladens begafft – sehr interessant, dieses Tabakschaufenster -, dann wendest du kurz mal dein Fahrrad, auf dem du gerade über die Neckarbrücke, Fußweg, rollst. Hallo M., sage ich dicht hinter ihm, so muss das ja nun auch nicht. Als hätten wir uns nie. So was in der Art. Ich

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Memento Limoncelli

Mittwoch, Tübingen. Der Chef vom Restaurant Roma, wo wir in diesem Urlaub jeden Abend gegessen haben – mit einer Ausnahme, die von der Bedienung auch gleich tadelnd registriert wird – , hat einen göttlichen Limoncello. Den schenkt er Special Guests zum Abschluss ein, keineswegs immer umsonst. Es stellt sich heraus, dass er ihn selbst ansetzt. Am vorletzten Tag fragen wir ihn nach einer Flasche davon. Er zögert, sagt, da müsse er erstmal nachdenken, eigentlich verkaufe er nicht flaschenweise. Unmissverständlich spiegelt sein Gesichtsausdruck einen inneren Kampf wider. Der Künstler, der sich nur ungern von seinen Meisterwerken trennt. Am nächsten Abend kommt er

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Fragen

Freitag, Diano Marina. Die Autobiographie meiner nächsten Interviewpartnerin und alles ausgedruckte Zusatzmaterial, Interviews etc. über und von ihr, habe ich durch. Fragenkatalog steht, bis auf den Einstieg. Fragt sich nur, ob unser Treffen bei H. und K. so klappt wie vorgesehen, weil H. ernsthaft krank ist / in der Klinik liegt und ich nicht weiß, wie K. auf diesem Hintergrund so drauf ist … Morgen fahren wir wieder nach Hause, nach Tübingen, bzw. nach B.N. Was kommt danach, wie geht es weiter?

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Jedem Ende wohnt …

Triora / Ligurien ist eine halbe Geisterstadt. Aber zuerst musst du mal überhaupt dahin kommen. 35 von den 65 Kilometern führen durch enge Bergstraßen und Haarnadelkurven, das zieht sich scheinbar endlos hin. Zum Glück versteckt sich die Sonne hinter Wolken und es sieht nach Regen aus, doch auch der Regen bleibt in der Wolkendecke hängen. Auf der Strecke fährst du dauernd an diesen „pittoresken“, an den Berggipfeln klebenden Dörfern mit hohem Kirchturm als Zentrum vorbei, und dauernd denkst du, das muss es jetzt sein, schöner kann es nicht werden. Doch nur Triora hat vom DUMONT das rote Ausrufezeichen bekommen, und

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Schwimmen, schwamm, geschwommen

Dienstag, Diano Marina. Ich schwimme jetzt jeden Tag eine halbe Stunde, das ist einfacher als Runden zählen. Und dabei muss ich doch tatsächlich mal wieder daran denken, dass ich den Freischwimmer, also das Zertifikat, also das runde Stück Stoff mit der einen Welle, das dann später auf meinen Mädchenbadeanzug genäht wurde, unrechtmäßig erworben habe, weil ich da, wo das Kamener Schwimmbad flach wurde, auf dem Boden langgelaufen bin. Wie die blauen Kacheln sich unter den Füßen angefühlt haben, weiß ich noch wie heute, das ist ja Über-Ich-mäßig schon ein bisschen daneben. Der Bademeister hatte Besseres zu tun als am Beckenrand

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Privileg

Montag, Diano Marina. Heute ist einer dieser privilegierten Tage, wo du höchstens darüber nachdenkst, ob du dich vom Rücken auf den Bauch drehst oder doch lieber vom Bauch auf den Rücken. Vor mir gluckert der Pool, hinter mir das Meer, das ewige Meer, das in den ewig himmelblauen Himmel übergeht. Wie einer dieser kostbaren Stoffe, Brokat oder Taft, himmelblauer Taft, genau so sieht das über mir aus. Aber eigentlich ist über mir, also noch vor dem Himmel, der Riesengummibaum mit seinem dichten Geäst, und da war er auch schon im letzten Jahr und die drei Jahre davor, weshalb auch der

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Boule

Freitag, B.N. Bei Bernd und Maria entdecken wir das Boule-Spielen (neu). Man muss es ernst nehmen, muss debattieren, wie die nächste Kugel ihren Lauf zu nehmen hat, sonst macht es keinen Spaß. Maria ist Spezialistin im von oben Wegdonnern gegnerischer Kugeln. Das einzige, was an diesem schönen Vollmond-Abend (der ewige Mond hinter den Bäumen über der Ahr) fehlt, ist eine Flasche Pastis. Bernds und Marias Garten ist eine große Spielwiese für Erwachsene. Ob H. und K. heute Abend ankommen – wir wissen es bis zuletzt nicht. H. ist gesundheitlich miserabel drauf, und ob wir morgen, wie geplant, zusammen nach Italien /

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Familienkommunikation

Donnerstag, B.N. Das Drohen war in meiner Herkunftsfamilie das primäre Kommunikationsmittel, und das wirkt bei manchen bis heute nach. Wenn man das mal kapiert hat, ist es so traurig, ineffektiv sowieso, furchterregend schon lange nicht mehr und irgendwie auch armselig. In einem Punkt bin ich mir sicher: Ich habe das nicht an L. und T . weitergegeben. Sozusagen Auftrag erfüllt, mit best. üblen Traditionen ein für alle mal zu brechen.

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Einsatz

Den Tag heute in Köln bei L. und B. verbracht, eingekauft, Ratatouille gemacht und noch so ein paar andere Sachen, und trotzdem ist da, wenn du wieder gehst, das Gefühl, dein Einsatz ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Auch die am Anfang stehen, überrollt der Alltag mit Macht. Bei Hussel L.’s Lieblingspralinen gekauft, bei Esprit eine lässige Jacke für mich. Der Hauptbahnhof mit seinen Verlockungen …

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Should I stay or should I go …

Pfingstmontag, B.N. Gehe ich joggen an der Ahr? Lese ich In Plüschgewittern von W. Herrndorf weiter? Mache ich schon mal die Frühstückseier? Poste ich was auf Freitag.de? Schaue ich mir den schlafenden PM an? Korrigiere ich meinen Text von gestern? Erstelle ich eine Packliste für nächste Woche Italien? Repariere ich das Loch vom rausgefallenen Jeansjackenknopf? Telefoniere ich mit L. oder T. oder Jerome und Beret? Nehme ich den Vierfarbkugelschreiber auseinander? Zeit zu haben und nichts Dringendes zu tun … Sehr  bizarr … Sturz ins Zeitloch … Definitiv nicht daran gewöhnt … Kann ich ja kaum damit umgehen … Also, ich hol

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