Sonntag. Durch die Pandemie und ihr nicht erkennbares Ende kann man den Bezug zur Wirklichkeit verlieren.Die klare Sicht auf ein Morgen und der klare Blick zurück sind Voraussetzungen zur Standortbestimmung, zum klaren Bezug auf mein Hier und Jetzt. Wenn ich heute, am Sonntag, den 18. April 2021 zurückblicke, sehe ich eine schier unendliche Abfolge von Tagen, in denen ich zwischen wilder Pflichterfüllung und bodenloser Lethargie zerrieben wurde und werde. Nichts ist klar. Und morgen sieht es auch nicht besser aus. Niemals habe ich mich öfter gefragt, wer ich bin, als während der Pandemie. Isoliert von meinen Freunden und von lieben
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Leben leben
Mittwoch. Neben Online- und Präsenzbeschallung und zäher Heimplatzsuche finde ich nun seit Ostern jeden Tag bzw. jede Nacht ein bis zwei Stunden, um an meinem neuen Buchprojekt weiterzuarbeiten. Hart erkämpfte Anderswelt: was sonst ist der tiefere Sinn vom Schreiben, als dass du dich für einen begrenzten Zeitraum rausnimmst und dich erhebst über die atemberaubende Belanglosigkeit, um die dein Leben zu kreisen und es vollzumüllen droht und dich abhält vom Eigentlichen. Das Schreiben relativiert den ganzen Scheiß, den Stress und Schrott wie ein Glas Cointreau, derselbe Effekt, nur ohne Kopfschmerzen. Die viel zu vielen Eindrücke beginnen sich zu ordnen, Scharten und
WeiterlesenKein Moodle
Montag. 7.50 Uhr erste Videokonferenz – doch nicht. Moodle Ausfall in ganz Ba-Wü! Wofür habe ich heute Nacht nach meiner Rückkehr aus B.N. sechs Online-Stunden vorbereitet? Um drei Uhr in der Frühe war ich fertig und sehr zufrieden mit meinem Output. Wecker auf sieben gestellt für den Start in eine neue Woche …Findet jetzt heute nichts mehr statt? Verlängerte Ferien? Was für ein total verkorkstes Schuljahr! Man sollte es bundesweit einfach wiederholen … alles andere wäre/ist Schönmalerei. Derweil unsere Oberhäuptlinge mit der Kanzlerfrage beschäftigt sind …
WeiterlesenSofagate
Donnerstag, B.N. Gerade ist die Türkei aus der Istanbul-Konvention des Europarates zum Schutz von Frauen und Kindern vor Gewalt ausgetreten, da zeigt Erdowahn der Welt, wie er sich die gesellschaftliche Ordnung vorstellt: Frauen auf die Ersatzbank! So geschehen beim Treffen der EU-Spitze mit dem türkischen Oberhaupt in Ankara aus was weiß ich welchen Gründen, und Erdo hat nichts Besseres zu tun als Madame von der Leyen weit ab auf ein Sofa zu platzieren. Absicht? Versehen? Erdogan kennt die Macht der Bilder. Von der Leyen reagiert ungläubig, EU-Ratspräsident Charles Michel bietet ihr seinen Platz auch nicht an, er und der Machthaber
WeiterlesenS.i.n.n.
Mittwoch, B.N. Einer von diesen sinnlosen Tagen, wie es sie seit Corona ungezählt gibt. Am frühen Morgen gibt H. mir ihre Weltsicht zum Besten. Da ist alles dabei, Verschwörungen, Ehebruch, das Blut von kleinen Kindern zur Verjüngung von reichen Amerikaner*innen (zum Glück sagt sie nicht von reichen Juden), die Ermordung ihres Schwiegersohns vor zwei Jahren … Die nächsten sechs Stunden verbringe ich am Telefon. Mutter muss da raus, seit die Einrichtung von Alloheim übernommen wurde. Alloheim ist der Konzern, der sich gerade Haus um Haus einverleibt, um sie innerhalb kürzester Zeit in der Kostendruckspirale zu verwursten und als leere Hülle
WeiterlesenLiebe
Ostermontag, B.N. Ostern mit meiner lieben L, dem Lchen und Tchen ist einfach nur schön. Und dann sind sie wieder weg und ich weiß, dass ich mich wieder auf mich selbst beziehen muss, auf meine Arbeit, und gut dass PM da ist.
WeiterlesenVersetzt
Gründonnerstag. Mit Corona ist das Leben Slow Motion. Ich bin eher Typ (Typin?) Zeitraffer, mache gern drei Sachen auf einmal, kommuniziere lieber mit fünf als mit einer Person, nutze kleine Zeitfenster für große Sachen und freue mich, wenn es klappt. Under Pressure ist mein Lieblingsmodus. Jetzt ist der Druck weg, weil ich mir selbst keinen mehr mache. Antriebslos und uninspiriert, komme ich auch in Sachen Buchprojekt nicht vorwärts. Das Virus hat mich ver-setzt. Ich bewege mich sogar langsamer; verstehe mich selbst nicht mehr, das ist das Schlimmste.Heute Nachmittag kommen Marcel und Susanne. Anlass, endlich meine Terrasse frühlingsfertig zu machen. 10
WeiterlesenMittagssonne
Mittwoch. In Annas Garten ist Urlaub. Eine blühende Kirsche beugt sich über den Tisch. H. hat Risotto mit Birne und Gorgonzola gekocht. Ein leichter Sekt verquirlt uns die Sinne, wir vergessen Corona und reden über Essen und Kunst und Berlin und uns. Anna malt nicht mehr. Auf meine Nachfrage sagt sie, dass sie nicht darunter leidet oder nicht so stark. Anna und H. wissen, wie es geht.
WeiterlesenCorona Diary – Über
Nie oder selten gebraucht: eine Daunenjacke, Sektgläser, Bücher, Schuhe, eine Handvoll Lidschatten. Ich stelle die Sachen vor die Haustür und gehe weiter zur Post und zu Rewe. Als ich eine halbe Stunde später zurückkomme, ist schon alles weg. In der Kiste nur ne leere Bäckertüte. Ich fische sie raus und knülle sie zu einem wütenden Ball zusammen. Ich bin so gekränkt, dass ich am liebsten losjumpen und der Absahnerin – es kann nur eine Frau sein – die Meinung geigen würde. Meinung? Wegreißen würde ich ihr die Jacke, meine Jacke, mit böser Freude die Gläser, meine Gläser, auf der Straße
WeiterlesenPan.De.Mie
Dienstag. Man geht ins „Amt“ und der Frühling knallt aus allen Kanälen und man geht seiner Arbeit nach und es ist so irreal.
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