Der Nazi und der Friseur – mein Name sei …

Dienstag, B.N. Ziemlich verspätete Begegnung mit Edgar Hilsenraths Der Nazi und der Friseur, dem respektlosesten, atemberaubendsten, bösesten Werk, ich korrigiere: Meisterwerk, über das Dritte Reich und den Holocaust (was übrigens eine Wortschöpfung von Elie Wiesel ist … geht auf die Erzähltradition von Isaaks Opferung zurück und umfasst deshalb ausschließlich den Massenmord an Juden).Ein Roman, der direkt in die Eingeweide zielt. Was kann ich daraus lernen?, frage ich mich bei jeder Lektüre … Sind ja Lebensentwürfe, der freien Phantasie entsprungen … Spiegel meines eigenen Lebensentwurfs: die ich zur Freiheit verdammt bin und rein theoretisch oder auch ganz praktisch jeden Morgen nach

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Währungen

Freitag, B.N. China will die erste große Volkswirtschaft mit einer eigenen digitalen Währung sein. 200.000 ausgelosten Personen wurden 200 digitale Yuan, was umgerechnet 25 € sind, auf ihre Smartphones geschickt – und wer sagt zu einem Geldgeschenk schon Nein? Bereits bis zu den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking soll das virtuelle Geld auf dem Markt einsetzbar sein.Da der digitale Yuan staatlich reguliert ist, lässt sich jede einzelne Transaktion in Echtzeit verfolgen. Dem Kontrollblick auch in die kleinsten Fächer der Portemonnaies der Bürger*innen steht damit nichts mehr im Weg. Fragt sich, wann der IWF nachzieht. Die digitale Währung ist ein Schreckgespenst

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Inge Auerbacher

Donnerstag, B.N. Gutes Gespräch / Videokonferenz mit Inge Auerbacher in New York. Es geht wieder los, oh ich freue mich. Was für eine Protagonistin! Holocaust-Überlebende, Lebensintensivistin, Sich-Neudefiniererin ohne Vorlage … Leider geht mein Handproblem auch wieder los. Alles nur einhändig, alles mühsam und schmerzhaft. Trotzdem – ich sehe wieder Land!!!

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Keine entscheidende Rolle

Mittwoch, B.N. Die Schulen und die dort Betreuten und auch die dort Betreuenden, also die Lehrer, haben keine entscheidende Rolle in der Pandemie gespielt.“ Sagt Prof. Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission über den Kampf der Impfstoffe.Warum dann der irre Aufwand mit Fernunterricht und HomeSchooling? Mit einer didaktischen Unform, die niemandem guttut, die das Lernen zu einer einsamen Sache verkommen lässt, die Teamwork untergräbt zugunsten eines längst überwunden geglaubten Einzelkämpfertums? Die das Schulleben dem Familienleben aufoktroyiert und zu Überlastung und psychischer Überforderung nicht nur bei den Betreuten, sondern auch den Betreuenden führt?

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Welt der schönen Bilder

Dienstag, B.N. Ein Kreuzfahrtschiff auf dem Orinoco. Nächste Station: Ciudad Guayana, doch der Hafenmeister verweigert dem Schiff die Landung und gleich auch Weiterreise. Der Grund ist unklar, vielleicht hat er einfach keinen Bock auf teutonischen Touristenandrang. Das Schiff wirft Anker mitten auf dem Fluss. Das sieht sehr seltsam aus, finden wohl auch die Einwohner. Neugierig nähern sie sich in ihren Booten, erst nur einzelne, dann immer mehr. In Paddel- und Motorbooten umkreisen sie den weißen Riesen. Eng beieinander hockende Männer, Frauen, Alte und Babies winken und lachen. Sogar Musik haben sie mitgebracht – eine Party auf dem Wasser. Die alte

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Nähe

Sonntag, B. N. Warum seit einigen Jahren massenhaft Züge ausfallen, wenn die Temperaturen gegen Null gehen, weiß niemand. Wegen Wetter, heißt es am Stuttgarter Hauptbahnhof, Fällt aus, fällt aus, verkünden die Anzeigetafeln an den Bahnsteigen. Was ist denn mit dem Wetter? Strahlende Sonne und knackige Kälte, na ja, minus 4 vier Grad, und die deutsche Ingenieurskunst bricht zusammen. Der Zug, der es dann doch schafft loszufahren, ist gerammelt voll. Damit kann man nicht mehr umgehen, Menschen und Menschengerüche aus nächster Nähe, ich krame die medizinische Maske raus, die sowieso Vorschrift ist, und kriege meinen Unwillen kaum in den Griff. Ich

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Chick Corea ist nicht mehr

Freitag. Auf seiner Facebook-Seite hinterließ Corea eine Botschaft an seine Fans: „Ich möchte mich bei allen auf meiner Reise bedanken, die geholfen haben, die Feuer der Musik hell erleuchtet zu halten. Es ist meine Hoffnung, dass die mit Ahnung vom Spielen, Schreiben, Performen oder etwas anderem, dies tun. Wenn nicht für Euch selbst, dann für den Rest von uns. Die Welt braucht nicht nur mehr Künstler, sondern es macht auch einfach viel Spaß.“ Leider hatte er enge Verbindungen zu Scientology, verehrte L. Ron Hubbard, dem er mit jedem Album dankte – und da ist sie wieder, die unbeantwortete Frage nach

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Heißer Schrecken

Dienstag. Vor drei Wochen hat meine Waschmaschine den Geist aufgegeben. Frühester Reparaturtermin: 09. Februar, also heute. Drei Wochen sind entsetzlich lang, wie soll ich so lange ohne Waschen auskommen? Von der Sache her nicht schlimm, ich kann bei meiner Nachbarin Lilli waschen. Vom Zeitgefühl her empfinde ich diese drei Wochen im Rückblick als Katastrophe. Plötzlich sind sie um, die vielen, vielen Lebenstage, und mir fällt nichts ein, was ich in dieser Zeit gemacht habe außer am Laptop gesessen. Der Lockdown macht einen anderen Menschen aus mir, einen, der ich nicht sein will. Am schlimmsten finde ich diese permanente Angst vor

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Pijökel und Saharastaub

Sonntag. Der bedrückend gelborangebraune Himmel gestern – das war Staub aus der Sahara! Gegen Mittag tauchte er die Welt, zumindest den Süden Deutschlands, in ein trübes Licht, der perfekte Rahmen für den gesamtgesellschaftlichen coronadepressiven Seelenzustand. Die Atmosphäre war unwirklich wie kurz vorm Weltuntergang. Mit Dorle gestern abend bei PMs formidabler Fischpfanne ein neues Getränk getestet und für gut befunden: Pijökel 55! Das Rezept stammt vom Apotheker-Opa des Firmengründers: Ein Herbal-Elixier (weder Schnaps noch Likör!) aus Berlin – sehr zu empfehlen gerade in diesen unsäglichen Zeiten. Heizt gut ein und hinterlässt keinen Kopfschmerz. Dorle zieht nächsten Monat nach Berlin um, schnief.

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