Angst

Sonntag, im Zug. Aber manchmal erfüllt mich schon die bloße Tatsache, eine gute Idee zu haben, mit Angst. Weil ich dranbleiben muss. Weil ich selbst die allerhöchsten Erwartungen habe. Weil mein Leben zu kurz ist, Scheiß zu produzieren.

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Corona Diary / Langer Tag

Samstag, B.N. Die Beschwerden haben doch etwas bewirkt: Keine Plexiglasscheibe, kein Mundschutz, keine Aufsicht. Statt 20 Minuten eine volle Stunde. Trotzdem ist es eine deprimierende Angelegenheit. Die alten Menschen ziehen aus der Situation die falschen Schlüsse, fühlen sich terrorisiert und schlagen mit ihren Mitteln zurück. By the Way – außer mir gab es keinen anderen Besucher, die Terminprobleme offenbaren sich im Nachhinein als Fake. Zum Glück ist PM mitgefahren. Die Autobahn wieder fast so voll wie vor der Coronakrise. PMs Besonnenheit, sein Lächeln in den Augenwinkeln … Dabei hat er gerade selbst genug Sorgen. Am Ende wird der Tag noch

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George Floyd

Freitag. In den USA Massendemonstrationen wegen des gewaltsamen Todes an George Floyd. Unter dem Griff eines Polizisten ist er erstickt. Es ist diese Todesart, die ihn jetzt zum Märtyrer macht. Die Unruhen haben wohl auch noch andere Hintergründe. Trump hat sich in der Coronakrise extrem angreifbar gemacht. Viele Todesfälle und überproportional viele in der schwarzen Community.

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The Party Is Over …

Donnerstag (Fronleichnam) … und sie war schön. Bunt, hektisch, emotional, lustig und manchmal melancholisch, wie es eben so ist bei Hochzeiten. T. und E. vor einem aufgedrehten Standesbeamten mit einer knallharten (Corona-)Choreographie, später auf dem Balkon des Tübinger Rathauses, noch später alle zusammen bei ihnen zuhause. Unser Programm haben sie – genossen, glaube ich: schnell getaktet, auf den Punkt gebracht, und an keiner Stelle war es peinlich. Das Essen reichlich und gut. Zwischendurch, in einer Regenpause, spazierengehen, quatschen, sich kennenlernen, sich bewegen. Sprachen-Crossover: EnglischDeutschItalienisch. Wenn T. glücklich ist, dann bin ich es auch. Gleich fährt PM allein zurück nach B.N.,

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Corona Diary / Behörden

Dienstag. Den Vormittag in Warteschleifen verbracht: Gesundheitsämter, Stadtverwaltung, WTG-Behörde, Nebenstellen, Heimaufsicht …Die Mutter besuchen geht nur mit Terminvorgabe, gesetzlich vorgegebenem Abstand, Plexiglasscheibe zwischen Besucher und Heimbewohner, Mundschutz, AUFSEHER –Was? Es ist wie im Krieg, sagt meine Mutter, und das ist das Schrecklichste, dass diese Maßnahmen bei den Alten die Traumata von Flucht und Verfolgung triggern. Überwachung, Maßregelungen, das alles erinnert eher an Knast als an Seniorenresidenz. Bei der Aussage „Sie bekommen am Samstag sowieso keinen Termin mehr“ sehe ich kurz rot, doch die Diplomatie siegt und ich werde zum kreidefressenden Wolf. Derweil kommt vom Gesundheitsamt die Bestätigung, dass mir der

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Hadern

Sonntag. Alte Fotos raussuchen, oje! Seit der Horrortrennung von M. – was nicht der Vater meiner Kinder ist – vor einigen Jahren (weshalb es dieses Blog überhaupt gibt) fällt mir der Blick in die Vergangenheit schwer. Soll aber sein, war ja sogar meine Idee – zur Hochzeit Bilder von T. Als er klein war, sind wir zweimal in Verona, der Heimat von E., gewesen, das möchten wir als Eltern zeigen, da muss ich nun also durch. Ist ja sozusagen auch Vorvergangenheit … Trotzdem tut der Blick zurück immer ein bisschen weh. Weil unweigerlich mit einer Art Selbstzensur verbunden. Heute kommen

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Heute und früher

Donnerstag. Heute, an T.’s Geburtstag, Hochzeits-Testessen bei Gerhard. T. und E. wollen es so einfach wie möglich. Das Essen bereiten wir zum großen Teil selbst zu, Käsespätzle kann niemand so gut wie Gerhard, ich bin für die Vor- und Nachspeisen zuständig, der Rest wird bestellt. Nach der standesamtlichen Trauung treffen wir uns in T.s und E.s inzwischen gemeinsamer Wohnung. Ich habe gelesen, dass Deutsche im Durchschnitt 13.000 € für ihre Hochzeitsfeier ausgeben. Darüber haben die beiden sehr gelacht. (Die Statistik darf wohl auch angezweifelt werden, oder gab es bundesweite Umfragen zu dem Thema?) Erst in den letzten hundert Jahren hat

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Corona Diary / Ohne Kunst wird’s still

Bernd und Mary und die Acoustic Alley Band haben zum Balkonkonzert geladen. In der Abendsonne am Ahrufer gaben sie sich die Ehre: Dafür gibt es die singenden Wirte im Volare nicht mehr! Der Ältere, der Pächter, ist gestorben. Wie traurig! Das Volare, ebenfalls am Ahrufer gelegen, heißt jetzt Ringshauser und ist auch kein Italiener mehr, sondern ein gutbürgerliches Restaurant und eine Weinbar. (s. 19.10.19)

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Corona Diary / Geld

Pfingstsonntag, B.N. Langsam normalisiert sich das Leben. Die Kneipen haben wieder geöffnet, dürfen allerdings nur in 1,50 m Abstand besetzt werden, was bedeutet, dass die Hälfte der Tische raus bzw. leer stehen muss. Gestern Abend im Bell’s war es schon wieder fast wie früher. Großes Hallo und Wiedersehen nach über zwei Monaten Stillstand. Übermorgen gehts nach Tübingen zurück: T. und E. heiraten. Sie ist es jetzt also! Leider spricht sie außer Italienisch, was ihre Muttersprache ist, nur Englisch, sodass unsere Kommunikation etwas eingeschränkt ist. In den nächsten Tagen gehen wir zusammen shoppen, darauf freue ich mich sehr. Vor lauter Lockdown

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