Elektronische Übermittlung von Lernstoff heißt Reduktion auf das Wesentliche. Heißt Verschriftlichung von allem, was sich sonst im Dialog entwickeln kann. Heißt nächtliches Schreiben, weil Coronatage alles auf den Kopf stellen. Barock, Vanitas-Stillleben, Rico, Oskar und die Tieferschatten, der Abriss der Psychoanalyse und der Trafikant bevölkern meine Träume.
WeiterlesenAutor: Juliane Vieregge
Corona Diary / Fernbeziehung
Donnerstag. Fernbeziehungen sind so ein Zwischending. Du hast jemanden im Kopf, aber wenn es hart auf hart kommt, nicht an deiner Seite. Sie sind ein Abstandhalter, sie halten dich vom Alltag ab. Wäscheberge, schlechte Laune, liebloses Outfit siehst du selbst, aber der andere nicht. Deshalb sind Fernbeziehungen so ein bisschen Fake. Sie sind die ewige Sonnenseite: Wochenende, Urlaub, Telefongespräche. Auf Dauer ein bisschen schizo. Fernbeziehungen entstehen meistens durch äußere Bedingungen. Vielleicht passt das anfangs so mit dem Abstand, wenn die Sache länger geht, ist er dem Zusammenwachsen jedoch nicht besonders zuträglich. Der Gewöhnung allerdings auch nicht. Wie ist doch die
WeiterlesenCorona Diary / Verbote
Mittwoch. Zweieinhalb Stunden geschlafen. Zu wenig Energieverbrauch dieser Tage. Ich habe große Sehnsucht nach dem L.chen und dem T.chen. Das letzte Mal habe ich sie gesehen, als sie die Woche zwischen Weihnachten und Silvester hier waren. Der Spaziergang mit dem L.chen an der Steinlach, der Reweeinkauf mit beiden, das nächtliche Warten auf L. mit dem T.chen auf dem Schoß … Köln ist verdammt weit weg. Zugfahren unmöglich, nachdem ich T. versprechen musste, es nicht zu tun. Was genau ab dem 23. März nach den von allen Landeschefs in einer Telefonschaltung ausgehandelten Corona-Verordnungen noch erlaubt bzw. verboten ist: Im ganzen Land
WeiterlesenCorona Diary / Metaphysischer Denkzettel
Dienstag. „So eine rasende Entschleunigung ist ganz und gar einzigartig“, schätzt der Jenaer Soziologen Hartmut Rosa das Herunterfahren weiter Teile des gesellschaftlichen Lebens durch die Corona-Pandemie ein. „Historisch ohne Vergleich“, biete „die Super-Verlangsamung des Lebens“ aber auch Möglichkeiten, „noch einmal anders mit sich, anderen und der Welt in Kontakt zu treten“, betont Rosa im dpa-Interview.Allenthalben liest man jetzt diese mehr oder minder matten Versuche, den Drive aus der Depression ins Positive zu bewerkstelligen. Dahinter steckt das menschliche Bedürfnis, der Krise irgendeine übergeordnete Sinnhaftigkeit zuzusprechen: Das Virus als Strafe, als Impuls zum Umdenken …. Schöne Beispiele sind Einkaufs- und Versorgungshilfen unter
WeiterlesenCorona Diary / Eine Prise SF
Sonntag. Ich werde immer passiver. Ich ziehe mich ganz auf mich selbst zurück. Ich vermisse nichts. Wenn ich daran denke, was ich noch vor einer Woche an einem einzigen Vormittag weggeschafft habe, wird mir schwindelig. War ich da verrückt, oder werde ich es gerade? Erwartet unsere „normale“, vor-coronale Leistungsgesellschaft diesen Grad an Verrücktheit? An Selbstausbeutung? An Bewusstlosigkeit?Wird unser als normal empfundenes Hamster-im-Rad-Leben durch den Corona-Virus gerade aus den Angeln gehoben? Manche Philosophen träumen von einem gesellschaftlichen Neuanfang „danach“, gar von einem Aufbruch in eine neue globale Wirtschaftsordnung …Wie jede Woche habe ich meine Wohnung geputzt. Das hat diesmal unglaublich lange
WeiterlesenCorona Diary / Die Ruhe vor dem Sturm
Freitag. Mit Dorle zum Spazierengehen verabredet. Wir genießen die Sonne, die blühenden Bäume längs der Steinlach, quatschen über Gott und die Welt. Dorle achtet auf den von maßgeblichen Virologen empfohlenen Mindestabstand von 1,50 m. Wenigstens hat sie den Zollstock nicht mitgenommen, wie ursprünglich angedroht. Sie bereitet sich innerlich auf ihren Umzug nach Berlin vor. Schon wieder ein Abschied, ich hasse das. PM schreibt: Alles ist völlig entschleunigt. Momentan jedenfalls. Ist irgendwie irre. Die Stimmung in seiner Klinik: Wie die Ruhe vor dem Sturm. Das hört man jetzt allenthalben. Vor lauter Warten hält die Welt den Atem an. Hoffentlich bleibt der
WeiterlesenCorona Diary / Neue Zeiten
Donnerstag. Ich telefoniere gerade viel. Analoge Begegnungen schwierig. Trotz alledem – heute Abend kommt Marcel zu mir, damit wir das Transhumanismus-Paper durchsprechen. Die Veranstaltung vom Deutschlandfunk ist zwar nun erwartungsgemäß abgesagt worden, doch sie wird vielleicht nachgeholt. Noch ist mir diese schräge Thematik mit ihrem schrägen Vokabular präsent, was in einem halben Jahr nicht mehr der Fall sein wird. Kanzlerinrede gestern Abend: Die größte Krise Deutschlands seit dem 2. WK. Abstand ist Fürsorge – dieser Satz hat sich bei mir eingeprägt. Weil Abstand in normalen Zeiten auch Kränkung sein kann. Die Werte ändern sich gerade. Seit gestern sind alle Geschäfte
WeiterlesenWeltweit bestes Corona-Blog
Irgendwo kam heute was über das beste Corona-Blog der Welt. Es wurde von Avi Schiffmann erstellt, einem 17-jährigen Gymnasiasten aus Washington State, USA.
WeiterlesenCorona Diary / Zwangspause
Mittwoch. Vom seidenweichen Morgenhimmel strahlt gespenstisch weiße Sonne über gespenstischer Stille. Stillstand. Schon acht Uhr durch, kein „Amt“, kein Aufbruch in den Tag. Der elektronische Sound auf dem iPhone signalisiert im Minutentakt neue Nachrichten. Freunde schotten sich mit ihren Familien komplett ab, einer schon seit zehn Tagen. In Wartestellung harren er und seine Frau mit den drei angereisten erwachsenen Kindern im Haus aus. Haus und Garten halten sie auf Trab. Wie lange noch? Warten worauf? Familie zusammen, nicht schlecht, schreibt er und scheint sich selbst zu glauben. Ich fahre meine Sozialleben runter auf Null, sagt Lieblingskollegin S. am Telefon und
WeiterlesenLuftschloss
Mit dem Fingerauf deinen Rücken gemaltI have a plan Und duHow big is your dreamViel kommuniziert wenig gesagtEin Wort ist ein Wort ist ein VertrauenLoyalitätAch dudie Zeit ist reifdie Zeit im Nackenbau mir ein Luftschlossdas blaue Bandflatternd an der Dachrinne We can be herosYou and me
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