Ausgangssperre

Dienstag. Jetzt sitze ich noch im „Amt“, meinen Online-Unterricht für morgen vorzubereiten, und hab total die nächtliche Ausgangssperre vergessen. 21.56 Uhr … was machen? Durch menschenleere Straßen schleichen wie ein Verbrecher und womöglich kontrolliert werden – verdammt, da habe ich vielleicht Bock drauf! _________________ *Nachtrag: Alleine spazierengehen ist erlaubt, wusste ich nicht, wie großzügig, danke, lieber Gesetzgeber

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Politisch ungeimpft

Samstag: Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Die Wirksamkeit des russischen Impfstoffs Sputnik V wird kaum noch bestritten. Doch die EU weigert sich ihn zu bestellen. Zu mächtig sind die Bedenken, Putin damit zu einem Imagegewinn zu verhelfen. Trotz der EU-Bestellungen von 2,6 Milliarden Impfdosen bei sechs verschiedenen Herstellern ist zu wenig da. Entweder sind die Präparate noch gar nicht zugelassen oder noch nicht produziert. Warum die EMA-Zulassung des russischen Impfstoffs sich dermaßen in die Länge zieht, obwohl die halbe Welt schon damit geimpft ist, darüber kann sich jeder seine eigenen Gedanken machen. Das Zulassungsverfahren läuft seit Anfang März.

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Tübinger Modell

Freitag. Finito mit dem Tübinger Corona-Modell! Ab nächste Woche ist es wegen der Bundesnotbremse beendet. Diese besagt: Ab einer Inzidenz von 100 wird das öffentliche Leben runtergefahren, ab 165 auch Schulen und Kitas. Im Landkreis liegt der Inzidenzwert derzeit bei 240, während er in Tübingen bei 91 steht. Warum müssen Geschäfte, die Gastronomie, Theater und Kinos wieder schließen, wenn der Anstieg im Vergleich nicht höher ist als in anderen Landkreisen? Wenn der Wert in der Stadt sogar deutlich niedriger ist, was doch für das Modell spricht. Das ist unlogisch. Ich kann die politischen Entscheidungen nicht mehr so ganz nachvollziehen. Als

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Coronatest

Mittwoch. Ja kloar! Wenn wir online-Seminar haben, mute und game ich. Machste auch so, oder? Muten – ich lasse mir das Wort auf der Zunge zergehen. Der Typ ist Student, er jobbt als Corona-Tester und entertaint mich mit seinen Anekdoten, während er das Stäbchen in meiner Nase herumdreht. Was ich bei Online-Konferenzen wirklich nebenher mache, erzähle ich ihm lieber nicht – weniger gamen, eher Küche putzen. Er ist fertig, das Glasröhrchen mit meiner Probe muss jetzt 20 Minuten warten. Ich feiere das krass, wie Sprache mitgeht. Sich im Rhythmus der gesellschaftlichen Ereignisse entfaltet, neue Blüten treibt, immer lebendig – sogar

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Danke

Dienstag. Heute nach der Stunde kommt einer und bedankt sich für meinen „tollen Unterricht“. Ich habe ihn seit drei oder vier Jahren, ich kenne ihn und er mich. Er ist schlecht drauf, wie wir alle, vielleicht noch ein bisschen schlechter, die Seelen sind wund und liegen offen und man hat nichts zu verlieren und redet ungeschönt über sich selbst. Ein schöner Moment. Das zählt auch.

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Corona Diary – Coronatotengedenktag

Sonntag. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gedachte heute der 79.971 Corona-Toten in Deutschland. Bei der Feierlichkeit in Berlin rief er zum Zusammenhalt auf: „Ihr seid in Eurer Trauer nicht allein“, versicherte er den Angehörigen. Genau dieselben Worte wurden in ungezählten Gottesdiensten nachgebetet.Was für eine erschütternde Lüge! Was für eine erschütternde Heuchelei. Da sitzen sie alle in Schwarz, und am Abend sitzt die gleiche Riege bei Anne Will, immer noch in Schwarz, und lässt die Krokodilstränen fließen.Gleichzeitig werden Impfreisen nach Russland, Israel, Serbien u.a. angeboten: Urlaub mit Corona-Pieks für die armen Deutschen, die im eigenen Land keinen Stoff bekommen. Die in ihrer Trauer

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Was zählt

Sonntag. Durch die Pandemie und ihr nicht erkennbares Ende kann man den Bezug zur Wirklichkeit verlieren.Die klare Sicht auf ein Morgen und der klare Blick zurück sind Voraussetzungen zur Standortbestimmung, zum klaren Bezug auf mein Hier und Jetzt. Wenn ich heute, am Sonntag, den 18. April 2021 zurückblicke, sehe ich eine schier unendliche Abfolge von Tagen, in denen ich zwischen wilder Pflichterfüllung und bodenloser Lethargie zerrieben wurde und werde. Nichts ist klar. Und morgen sieht es auch nicht besser aus. Niemals habe ich mich öfter gefragt, wer ich bin, als während der Pandemie. Isoliert von meinen Freunden und von lieben

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Leben leben

Mittwoch. Neben Online- und Präsenzbeschallung und zäher Heimplatzsuche finde ich nun seit Ostern jeden Tag bzw. jede Nacht ein bis zwei Stunden, um an meinem neuen Buchprojekt weiterzuarbeiten. Hart erkämpfte Anderswelt: was sonst ist der tiefere Sinn vom Schreiben, als dass du dich für einen begrenzten Zeitraum rausnimmst und dich erhebst über die atemberaubende Belanglosigkeit, um die dein Leben zu kreisen und es vollzumüllen droht und dich abhält vom Eigentlichen. Das Schreiben relativiert den ganzen Scheiß, den Stress und Schrott wie ein Glas Cointreau, derselbe Effekt, nur ohne Kopfschmerzen. Die viel zu vielen Eindrücke beginnen sich zu ordnen, Scharten und

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Kein Moodle

Montag. 7.50 Uhr erste Videokonferenz – doch nicht. Moodle Ausfall in ganz Ba-Wü! Wofür habe ich heute Nacht nach meiner Rückkehr aus B.N. sechs Online-Stunden vorbereitet? Um drei Uhr in der Frühe war ich fertig und sehr zufrieden mit meinem Output. Wecker auf sieben gestellt für den Start in eine neue Woche …Findet jetzt heute nichts mehr statt? Verlängerte Ferien? Was für ein total verkorkstes Schuljahr! Man sollte es bundesweit einfach wiederholen … alles andere wäre/ist Schönmalerei. Derweil unsere Oberhäuptlinge mit der Kanzlerfrage beschäftigt sind …

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