Dr. Assurs Pokal

Sonntag. Gestern habe ich auf dem Haaggassen-Trödelmarkt einen wunderschön geschliffen Kristallpokal von klassisch gerader Form entdeckt. Er trägt eine kleine, unauffällige Gravur: Dr. Assur. Wer war Dr. Assur? Karl August Varnhagen(1785-1858), Chronist und Biograph, Sammler Tagebuchschreiber und Diplomat, ändert 1814 auf Drängen seiner Dauerverlobten Rahel seinen Namen in Karl August Varnhagen von Ense. Damit übernimmt er den adligen Namenszusatz seiner westfälischen Vorfahren und lässt ihn vom Kaiser bestätigen. 1814 heiraten er und die 14 Jahre ältere Schriftstellerin, Tagebuchschreiberin und Salonnière Rahel Levin. Rahel Varnhagen von Ense, geb. Levin (1771-1833), lässt sich 1814 taufen, um Karl August Varnhagen von Ense heiraten

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Face to Face

Samstag. Das Missverständnis lasse sich nicht am Telefon klären, meint er. Wenige Stunden später muss er schon wieder zurück. Er ist nicht einer, der schöne Sätze drexelt. Er ist da, wenn Dasein wichtig ist. Und während sein Auto am frühen Morgen in der ausgestreckten Kurve der B27 allmählich unsichtbar wird, seine Hand am Fenster, schwebt die Angst mit dem Fahrtwind davon.

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Gier

Venezuela hat die höchsten Erdöl-Reserven der Welt.Jetzt können wir aus der Ferne beobachten, was wir schon x-mal beobachtet haben: Die USA befeuern die landesinternen Aufstände gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Maduro, verschärfen die Sanktionen (warum? Die Bilder jedenfalls sprechen für eine Demonstrationsfreiheit in Venezuela, wie es sie in Saudi Arabien niemals geben könnte), lassen das Land aushungern, indem sie humanitäre Hilfsmittel in Erpressermanier instrumentalisieren, und Trump denkt schon mal laut über militärische Mittel nach. Noch bevor in Venezuela die Zeichen auf Neuwahlen standen, anerkannten die USA Juan Guaidó als Zwischenpräsidenten, ungeachtet der Tatsache, dass sie damit auf einen der Öffentlichkeit

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„Lass uns über den Tod reden“ …

Freitag … ist ein Buch, das nicht „runterzieht“, sondern ganz im Gegenteil aufbaut. Die Personen, die dort zur Sprache kommen, erzählen nicht nur von ihrer Verlusterfahrung, sondern auch davon, wie sie mit dem Verlust umgegangen und letztlich fertiggeworden sind insofern, als sie ihre Trauer ins Leben integrieren und damit weiterleben können. „Trauer ist wie ein starkes Tier“, sagt einer meiner Gesprächspartner. Aber sie macht auch stark …

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Warum?

Sonntag. Warum diskutiert Frau Will mit dem alten weißen Mann W. Kubicki über Greta Thunberg? Warum fragt Anne Will die deutsche Umweltaktivistin Therese Kah von „Fridays for Future“ zu allererst nach dem Freitag Vormittag als Streiktag anstatt nach Inhalten? Warum beteiligen sich so wenige Student*innen an der Bewegung und wo ist die APO 2.0? Warum grinst Will so nachhaltig, während sie die tödlich ernste Greta nach ihrem Asperger-Syndrom befragt? Warum befragt Will Greta nach ihrem Asperger-Syndrom?

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Falsche Eckdaten – richtige Veranstaltung

Was bleibt von der emotionsgeladenen, intensiven und von good Vibrations getragenen Buchpremiere am Donnerstag Abend in der ausverkauften Buchhandlung Osiander für die Schreiberin des Schwäbischen Tagblatts? Eine sehr lange Nacherzählung von Lass uns über den Tod reden – frei von Emotionen, Intensität, Vibes.Dröge und staubtrocken, verraten die immerhin fünf Spalten mehr über die Befindlichkeit der Lokalredakteurin als über das Event am Donnerstag Abend.Investigativ gibt sie sich in Sachen Alter. Als ich in dem kurzen Gespräch nach der Veranstaltung klarstelle, dass ich es in dem Punkt mit Karl Lagerfeld halte, verlegt sie sich aufs Schätzen und kommt auf unbarmherzige „über sechzig“.Whuottt?

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ResonanzRaum

Samstag. Ein paar Reaktionen, über die ich mich besonders gefreut habe: „… großen Glückwunsch zu der Lesung!! Ich muss das gleich loswerden weil ich wirklich tief berührt bin und großen Respekt vor deiner Arbeit verspüre.Das Publikum war sehr aufmerksam, du hast uns erreicht und betroffen gemacht.Das lag im Raum!Dieses Thema braucht Geschichten und die Vielfalt der Erfahrungen.Das habe ich in meiner Trauerarbeit ( übrigens auch über ca 10 Jahre) immer wieder gedacht: so verschieden wie die Menschen und die Beziehungen sind so unterschiedlich ist ihre Trauer. Da hast du ein hervorrragendes Spektrum an Unterschiedlichkeit mitgebracht.Auch deine Art der Präsentation fand

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Buchpremiere

Freitag. Schön war’s! Volle Bude und ausverkauft! Die Stimmung: wohltuend warmherzig, da lese ich gerne, was ich in beinahe zehn Jahren zusammengetragen habe.Lass uns über den Tod reden kam an und wurde gehört. Anschließend Publikumsfragen, viele persönliche Begegnungen, Signieren. Das war meine Premierefeier bei Osiander.

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Lass uns über den Tod reden – Dieter Thomas Kuhn

Montag. Heute bin ich achtundvierzig und denke: „Wow, was für ‘ne Scheiße, mit dreißig zu sterben. Das ist ganz schön früh.“ Wenn man jemanden verliert, wird einem die eigene Endlichkeit sofort bewusst und dass es eben saumäßig schnell gehen kann. Als Jugendlicher war ich eh schon etwas melancholischer als andere Jungs in meinem Alter. Der Verlust meines sehr geliebten Bruders hat sicherlich dazu beigetragen, dass der Tod in meiner Vorstellung allgegenwärtig ist.Auch die Angst, nicht um das eigene Leben, sondern um das der anderen Menschen, die man gernhat, diese Angst flattert seitdem mit.

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