Schwarzer Freitag: Einer ist raus. Wie viele Tage hab ich jetzt mit den massiven Textkorrekturen meines hochgeschätzten Protagonisten verplempert? Nicht eine Korrektur betrifft den Inhalt. Sondern um Textaufbau und Stilfragen geht es ihm, und auch er verbringt eine Menge Zeit damit, meine Sätze umzumoden, längst Gesagtes noch einmal zu sagen (was ich hasse), vermeintliche Rechtschreibfehler zu korrigieren. Hallihallo, ist das mein Text oder seiner? Letztlich halte ich dafür her, ob der noch literarisch oder unter dem Druck der unzähligen Verschlimmbesserungen längst ein von überflüssigen Informationen aufgeblähtes Monstrum ist. Der Unmut über das mangelndes Vertrauen in meine Fähigkeiten als Schreiberin nimmt
WeiterlesenLetzte Beiträge
Familie
Montag. Ein paar Tage in Tübingen mit meiner Lieblingsfamilie aus Köln, meine liebe L, das Lchen und das Tchen. So süß, so sehr mir ins Herz gewachsen. Keine Spannungen diesmal, ein Zustand wie früher, ich habe jede Minute mit ihnen genossen. Gestern Abschied am Bahnhof, dann zurück in die Wohnung, überall ihre Spuren, ein paar Sachen, die sie vergessen haben, mit den Erinnerungen an ihre Worte und Gesten im Kopf aufräumen und sich auf das nächste Mal freuen …
WeiterlesenAlptraum
Freitag, Eisenach. Das Haus ist Spinnen- und Uran-verseucht. Handtellergroße, schwarze Flecken an den weißen Wänden, ich habe sie jetzt schon zu oft gesehen. Es geht darum zu unterscheiden: Uran oder Spinnentier? Staubsauger oder – wie kriegt man Uran von den Wänden? Zu allem Überfluss öffnet sich die Dachluke wie von selbst, ein schwarzer Schwall ergießt sich über den Flur, bewegt sich als krabbelnder Teppich über die Marmorfliesen (von denen ich wenigen Wochen zuvor in stundenlanger Kleinarbeit die jahrzehntealte Patina abgekratzt habe) mit selbstverständlichem Selbstbewusstsein in alle Richtungen … Es ist ihre Haltung, die mich am meisten erschreckt. Zum Glück wache
WeiterlesenHeimweh
Samstag, Eisenach. Als meine neue Freundin T. und ich aus dem Kino kommen, überfällt mich akuter Seelenschmerz. Dabei lässt das Eisenacher Kino keine Wünsche offen: fünf Säle, modern und komfortabel, wir haben sogar Liegesitze und hätten uns einen Cocktail mixen lassen können, bestünde da nicht die Gefahr im Liegen einzuschlafen. Alles gut, alles bestens. Und als wir ins Freie treten, sehe ich plötzlich das Arsenal vor mir, mein geliebtes, verratztes Tübinger Kino, wo die Sitze hart und die Reihen eng sind, aber wen hat das gestört? Ich bekam fast immer meinen Lieblingsplatz, ich mochte den Geruch nach altem Holz und
WeiterlesenWerkbericht – kluge Frau Oberbürgermeisterin
Donnerstag, Eisenach. Ein kluges Interview, das mich von der ersten bis zur letzten Minute begeistert hat: Mit der Eisenacher Oberbürgermeisterin Katja Wolf. In ihrem wunderschönen Rathaus-Saal mit der schwarzen Luther-Büste unmittelbar am Erkerfenster mit Blick auf den Marktplatz warte ich auf sie. Baue schon mal meine Technik auf dem runden Konferenztisch auf, stelle mein Geschenk an ihren Platz. Und dann kommt sie rein, fröhlich, dynamisch, präsent, direkt von einem Gerichtstermin gegen irgendwelche Rechtsradikale, die in dieser Stadt ein bundesweit bekanntes Problem darstellen. Sie nimmt sich Zeit zum Antworten, sagt nie Banales, Erwartbares, sondern ihr Ureigenstes. Am Schluss bedankt sie sich
WeiterlesenÄpfel und Birnen
Dienstag, Eisenach. Als ich von der Arbeit komme, wartet A. schon im Café auf mich. Sie überreicht mir eine minikleine Schultüte. Die hat sie bei Hussel gekauft. Die Verkäuferin sei besorgt gewesen: Lauter alkoholhaltige Pralinen habe sie da ja ausgewählt! Ist für meine Freundin, die tritt heute ihren Schuldienst an, hat A. sie beruhigt. Wir sitzen in der Sonne und stellen Vergleiche an. Das ist, wie Äpfel mit Birnen vergleichen, sage ich und erschrecke im selben Moment. Das war immer so ein saudämlicher Spruch von einem, an den ich nie mehr denken möchte (und es tatsächlich selten tue). In seinem
WeiterlesenEinig
Montag, Eisenach. A. aus Tübingen ist für zwei Tage in Eisenach. Wir quatschen und essen gut, die Kneipen haben bis Mitternacht geöffnet, das sind wir von Tübingen nicht gewöhnt. Bis wir alles aufgearbeitet haben, was uns in unserer Vergangenheit umgetrieben hat: viele Berührungspunkte, ihre Vorgesetzten waren z.T. auch meine Vorgesetzten und besonders die Vorgesetzten aus den Behörden, da sind wir uns einig, haben wir nie als ernstzunehmende Menschen auf Augenhöhe wahrgenommen. Sondern als diejenigen, die an der Basis gescheitert sind und nach oben abgeschoben wurden, wo sie ihre Ticks ausleben konnten (Knoten in die Krawatte, um sich zu erinnern, Oberkirchenrat
WeiterlesenNick nick
Sonntag, Eisenach. Der Spiegel bringt es mit seinem Artikel über genmanipulierte Lebensmittel mal wieder auf den Punkt: Wie schon der Titel Spiel mit der Angst vor Gentechnik, Heft 26/2023, den Tenor unzweideutig eindeutig vorgibt, geht es um manipulative Meinungsmache statt um Information. Dass die Leute es fressen, ohne aufzumucken, ist dem spätestens seit der Pandemie in voller Blüte stehenden gesellschaftlichen Konformismus zu verdanken. Bei mir führt medialer Konsum statt zum Genuss ungesund oft zum Brechreiz. Aber was ist von einem Blatt wie dem Spiegel, das sich seine Redaktionsarbeit von der Melinda & Bill Gates Stiftung finanzieren lässt, anderes zu erwarten? Gekaufte
WeiterlesenAlles neu
Mittwoch, Eisenach. Neue Arbeitsstelle, neues „Amt“ – alles sehr anders, manches schräg. Zum Beispiel, wie hier aktiv der Religionsunterricht verhindert wird. Hab mich schon entsprechend angelegt, aber bloß nicht zu sehr … Ab nächste Woche ist regulär Unterricht, jetzt nur eine sog. Vorbereitungswoche. Heißt: Konferenzen und Fortbildungen, nun ja … Die Kolleg*innen hier haben Sitzfleisch. Drei oder auch mal sechs Stunden mit nur einer Pause macht ihnen nichts aus. Als ich einmal zu meiner Nachbarin sage, ich kann gar nicht mehr stillsitzen, guckt sie mich irritiert an und fragt: Wieso? Zu Fuß den ganzen Weg vom Veranstaltungsort nach Hause zurückgelaufen,
WeiterlesenNeues Interview
… mit dem Filmemacher / Regisseur Andreas Dresen im Konferenzsaal des Hotels Domizil, den dieses uns freundlicherweise kostenlos zur Verfügung stellt. Sehr intensives Gespräch, bin ein großer Fan und froh, dass ich mich auf diesen Termin so umfassend vorbereitet habe, nämlich alle Filme, auch die Kurzfilme, samt Kommentaren des Regisseurs noch einmal angesehen. Lohnt sich!
Weiterlesen