Essen, trinken, reden

Sonntag. Wer im Alten Fritz essen geht, hat entweder viel Geduld oder er ist einer, der rechtzeitig plant. Da ich zu spät an die Tischreservierung gedacht habe, sollen wir nach oben auf die Terrasse kommen, wo nicht reserviert wird. Die Schlange auf der Treppe ist lang, doch nicht aussichtslos. Nach einer Viertelstunde wird ein Fünfertisch frei, und wenige Minuten später kommen auch Steve, T. und seine italienische Freundin E. (oder nicht Freundin, wir sind uns da immer noch nicht einig) dazu. Das Essen ist gut, es gibt viel zu lachen und zu erzählen, und das Beste ist das hausgemachte Cassata.

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Inspiration und Rezension

Freitag. Manchmal gibt es Rezensionen, die einen zum Weinen bringen – vor Freude, weil man so tief verstanden worden ist. Weil sie differenziert und ernsthaft, sprich uneitel, sind. Weil der Verfasser sich inspiriert gefühlt und in der Sache weitergedacht hat. So eine fand ich heute über mein Buch in der Leipziger Internet-Zeitung: … „Es ist ein stellenweise sehr berührendes Buch und einige der Erzähler und ihre Verstorbenen werden einem auf neue Weise vertraut. Manchmal wird es traurig, oft aber auch ermutigend, weil es einen Teil unseres Lebens zeigt, den wir so gern ausblenden, weil wir uns vor dieser Flut von

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Was man von hier aus sehen kann

Donnerstag. Das Buch Was man von hier aus sehen kann ist der sehr sonderliche, uneingeschränkt gute Roman von Mariana Leky vom Frühjahr 2019 (DuMont). Ich freue mich jeden Tag aufs Weiterlesen. Es ist ein reines Frauenbuch. Es erfüllt die Leserin mit einer Behaglichkeit, die aus der Zeit gefallen scheint. Wie Kerzenlicht. Wie selbstgebackener Bienenstich. Es passiert auch nicht viel. Aber das, was passiert in diesem ganz besonderen Dorf im Westerwald, wird so schön beschrieben, dass frau in die Seiten plumpst wie in eine Daunendecke. Man könnte jetzt darauf kommen, ich hätte den ganzen Tag nichts Besseres zu tun als schöne

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Psylife.de

Auf Psylife.de, dem online-Magazin für alle, die in Psychotherapie, Beratung und Coaching tätig sind, kann man heute ein Kapitel aus meinem Buch „Lass uns über den Tod reden“ nachlesen: Wie Psychotherapeuten mit Sterben, Tod und Trauer umgehen (Roland Kachler).

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Sprachrohr

Dienstag. Der Spiegel ist ein Mainstream-Sprachrohr.Wäre doch der Essay über Komiker in der Politik (Die Clowns und die Priester v. Dirk Kurbjuweit, Heft 27, 29. Juni 2019) eigentlich richtig gut, aber dann das: „Annegret Kramp-Karrenbauer zum Beispiel handelte sich gewaltigen Ärger ein, als sie zu Karneval ein Witzchen über Transgender-Toiletten machte. Bis heute gilt das als Beleg, dass sie sich vom liberalen Kurs Angela Merkels verabschieden will.“What??? Kramp-Karrenbauers „Witzchen“ über Transgender-Toiletten hat Leute aufgeregt, die auch bei Politiker*innen Sexual Correctness einfordern. Das mag für andere schräg sein, hat jedoch gar nichts damit zu tun, es als Gegenstück zu Merkels unglaublicher

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Begegnungen am WE

Sonntag. Zum Sonntagsbrunch kommt auch noch Steve dazu, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Er ist fast fertig mit dem Studium und PM fährt seine ganze Rhetorik auf, um ihn zur Chirurgie zu bekehren.Gestern Abend mit PM auf dem Tübinger Stadtfest: Die Bühne auf dem Marktplatz ohne Liveband!, wo gibts denn so was?, dafür steht ein einsamer DJ an seinem Mix-Pult da oben und spult Malle-Schlager ab wie auf jeder Dorfkirmes. Vor wenigen Jahren rockten die Jungs von The Savants die Bühne und versorgten Tausende Tübinger*innen mit good vibrations. Dagegen ist das ein müder Abklatsch. Die Leute sollten

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Exploding Star

Donnerstag. Auf dem Etui steht es ganz understatementmäßig in kleinen, weißen Lettern: Dolce & Gabbana. Die Sonnenbrille selbst schmückt das Logo kaum sichtbar auf der Innenseite des einen Bügels. Sie sieht uneingeschränkt großartig aus, irgendwie amerikanisch – und gehört nun endlich mir! Da liegt sie an meinem Platz und stiehlt mit ihrem exotischen Design den banalen Gegenständen um sie herum die Show, doch meine Freude ist getrübt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das liegt an meinem rechten Auge. Außer den Flusen und Blasen kommt seit heute Morgen noch ein explodierender Stern dazu, jedesmal, wenn ich die Augen öffne. Ein abenteuerliches Ding.

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Interesse

Mittwoch. Viele Anfragen wg. Lesungen u. Veranstaltungen im Oktober/November, wenn die stillen Feiertage kommen. Anfang August Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger direkt in Köln. Kommenden Dienstag erscheint ein komplettes Kapitel aus meinem Buch Lass uns über den Tod reden – das über den Trauertherapeuten Roland Kachler – auf psylife.de. Das ist das online-Magazin des Deutschen Psychologen Verlags (DPV), eine 100%-Tochtergesellschaft des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP). Insofern eine schöne Adresse.Das Interesse tut gut. Noch besser fühlt es sich an, wenn Kollegin B. mir heute erzählt, sie habe Lass uns über den Tod reden schon zum dritten Mal verschenkt.

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AugenBlicke

Dienstag. Manche Krankheiten sind so hässlich wie das Wort selbst. Zum Beispiel Glaskörperabhebung. Das ist etwas sehr Doofes. Ich sehe Blasen, einen dicken Tropfen und jede Menge Flusen, als stünde ich vor einer verdreckten Glasscheibe, die mir mächtig die Sicht versaut.Ganz besonders nervt, wenn ich face to face mit jemandem rede, und dauernd flitzt dieser Tropfen über das Gesicht des anderen. Weil der mitgeht mit jeder kleinsten, beschissenen Augenbewegung. Seitdem weiß ich, wie oft man seine Augen bewegt. Das strengt dermaßen an, den Tropfen nicht zu sehen, weil ich ihn nicht sehen will, aber er ist immer da, dass ich

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Seethaler

Samstag. Da sitzt Robert Seethaler vorm Wilhelmsstift. Eigentlich sitzt er vor einem Klamottenladen auf dem schmalen Bürgersteig an einem schmalen Tisch und signiert. U.a. mein direkt vorher erworbenes Exemplar von Das Feld.Ich komme mir vor wie ein aufgeregtes Groupie. Ganz klar ist er mein persönlicher Favorit auf dem Tübinger Bücherfest. Ganz klar sieht er noch besser aus als im Fernsehen. Er freut sich, als ich ihm erzähle, dass ich den Trafikant demnächst mit meiner Truppe im „Amt“ lese. Gefragt, ob ich ihn fotografieren darf, wirft er sich liebenswürdig in Pose. Ich stelle das einfach mal hier ein, k. A., was

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