Alles wie bei allen

Mittwoch. Ich könnte jetzt darüber schreiben, dass ich vorgestern einen interessanten Abend mit Sandra Uschtrin verbracht habe, die gerade zur BücherFrau des Jahres 2019 gewählt worden ist. Uschtrin ist Mitgründerin der Autorenwelt und Gründerin des Uschtrin Verlags, in welchem sie das allen Autor*innen bekannte »Handbuch für Autorinnen und Autoren« herausbringt. Ich könnte auch von T.’s schöner Geburtstagsfeier gestern Abend berichten (was gibt es denn Wichtigeres?), den wir mit Ge und Ge zusammen gefeiert haben – T.’s Vater und dessen zweiter Frau. Oder von meiner Dachterrasse, auf der das Unkraut kniehoch gestanden hat, bis am Wochenende PM mit einem gasbetriebenen Unkrautvernichtungsgerät und

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Bed-In für Nachhaltigkeit?

Samstag. „Friedenskampagne“ – unter dem Motto hielten John Lennon und Yoko Ono vom 26. Mai bis zum 1. Juni 1969 ein Bed-In ab. Im Doppelbett der Suite 1742 im 17. Stock des Queen Elizabeth Hotels in Montreal erklärten sie den Sinn der Aktion: „Just to give peace a chance“ – womit der gleichnamige Song geboren war.Lennon hatte sich schon vorher immer wieder öffentlich gegen den Vietnam-Krieg positioniert – ein Krieg, den hunderttausende US-Soldaten in den Reisfeldern Vietnams austrugen, ohne ihn selbst zu verstehen. Drei Millionen Vietnamesen und 50.000 Amerikaner starben – wofür?Spiegel-online vom 01.06.19 berichtet: Lennon war der politische Kopf

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Judith Kerr

Freitag. Judith Kerr ist gestorben. Sie wurde 95 Jahre alt. Wer an Kerr denkt, denkt an Hitler und das rosa Kaninchen, an einen Tiger, der zum Tee vorbeikommt und den Wasserhahn leer trinkt – eines der Lieblingsbücher meiner Tochter -, und natürlich an Kater Mog. Kerr ersann nicht nur die Geschichten, sondern sie erschuf auch die dazugehörigen Illustrationen. Ihr letztes Buch schrieb sie 2017, mit 93 Jahren. Vor vielen Jahren erfuhr sie aus Briefen, dass ihre Mutter mit dem Gedanken gespielt hatte, sich und die Kinder, zwei Mädchen, umzubringen, da lagen schon zwei Jahre Flucht hinter der Familie, und Kerr

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„Sterben tun nur die anderen“

Mein eindrücklichstes Erlebnis hatte ich als Oberarzt in Braunschweig mit einem Patienten, der mit unheilbarem Bauchspeicheldrüsenkrebs kam. Er hatte das im ersten Gespräch sofort verstanden. Dann erzählte er mir, er sei der Betreiber einer Würstchenbude auf dem Stadiongelände von Eintracht Braunschweig. Seit Beginn der Bundesliga 1963 habe er kein einziges Heimspiel verpasst. »Mein größter Wunsch ist es, noch beim DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund dabei zu sein«, vertraute er mir an. Von der Diagnose bis zu jenem Tag, an dem Borussia Dortmund nach Braunschweig kommen würde, waren es genau acht Wochen. Braunschweig war damals Zweitligist, und Borussia Dortmund natürlich der Bundesligastar. »Zu

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Empört euch – doch nicht!

Donnerstag. „Fuck, ist das heftig!“ Wie ein YouTuber Politik und Medien mit einem einzigen Video in Schockstarre versetzt Der YouTuber Rezo hat sich die CDU zur Brust genommen. Die Zerstörung der CDU – Jetzt reichts!, heißt sein Video, das schon über 5 Millionen Mal angeklickt wurde, und es werden immer mehr und das sind vor allem junge Leute, für die es was Neues ist, dass einer der Ihren mal so zur Sache kommt. Der Junge mit dem blauen Deckhhaar ist kein Rudi Dutschke 2.0. Er ist lustig und man versteht ihn. Das war ja bei unseren Heroen der jüngsten Vergangenheit so

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Die Sache mit den Orden

Montag. Michel Houellebecq ist nun Ritter der Légion d’honneur. Die ranghöchste Auszeichnung Frankreichs verlieh ihm Präsident Macron höchstpersönlich. Auch Gustave Flaubert wurde mit diesem Orden ausgezeichnet, nachdem er in einem schmachvollen Prozess – wegen Verstosses gegen die öffentliche Moral und die guten Sitten in seinem Jahrhundertroman Madame Bovary – freigesprochen worden war. Tragen sie erstmal diese Medaille im Knopfloch, dann vergisst man schnell, was für revolutionäre Geister sie einst waren … Das nennt man totstreicheln. Macht Merkel mit Greta Thunberg auch: So lange loben, bis die/der Gelobte nicht mehr kann … Anschaulichstes Beispiel in der Kirchengeschichte: Franz von Assisi. Über

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Tja, da liegt’s …

… zwischen lauter Wohlfühlliteratur … Magische Momente, Glück, Freunde – davon handelt auch Lass uns über den Tod reden – etwa in der Geschichte von Dieter Thomas Kuhn, von Enno Kalisch, von Joe Bausch, von Hans Jellouschek, von Katrin Sass, von Arsène Verny, von Jochen Busse und vielen mehr. Über das Leben nachdenken heißt eben auch über den Tod nachdenken – und umgekehrt sowieso …

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Ausgemadonnat? Hoffentlich nicht

Sonntag. „Sie haben es gehört hier, hier wird live gesungen“, kommentiert der ARD-Moderator ihren seit Wochen gehypten Auftritt trocken. Gottogottogott!, was war los mit Madonna, das klang ja irgendwie unterirdisch und auch ihre Kostümierung riss es diesmal nicht so raus, weil die Anleihen bei der katholischen Kirche längst verbraucht sind. Aber, so what – Töne treffen gehörte noch nie zu ihrem Portfolio. Leid tun braucht sie einem deshalb nicht. Madonna ist ein Megastar, sie ist viel mehr als schön singen. Ihr Auftritte sind immer noch 1,5 Mio Dollar wert, wie der top secret Sponser jetzt rausließ, das soll erstmal eine(r)

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Meldepflicht auf Katholisch – schlimme Finger unter sich

Samstag. Papst Franziskus hat die Welt davon in Kenntnis gesetzt: Ab Juni dieses Jahres sind katholische Priester und Ordensleute dazu verpflichtet, Erkenntnisse über Missbrauchsfälle kirchenintern zu melden. Das ist das Ergebnis des Missbrauchsgipfels im Januar in Rom.Die Meldepflicht bezieht sich sowohl auf konkrete Fälle als auch auf Vertuschungsversuche derselben. Damit auch Opfer unbürokratisch die klerikalen Täter anzeigen können, verpflichtet Papst Franziskus in seinem Schreiben die Bistümer, bis Juni 2020 „ein oder mehrere feste Systeme [zu] bestimmen, die der Öffentlichkeit leicht zugänglich sind, um Meldungen einzureichen. Dies kann auch durch die Errichtung einer eigenen kirchlichen Behörde geschehen.“Für alle, die dieses Gesetz

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Die EKZ hat gesprochen

Montag. Wie die EKZ.Bibliotheksservice GmbH – Einkaufszentrale für Öffentliche Büchereien – ein (mein?) Buch einschätzt, ist nicht gerade unwichtig. Ihr Urteil entscheidet nämlich über die Neuanschaffungen für alle öffentlichen Bibliotheken. Für diejenigen, die sich immer schon gefragt haben, wie die Stadtbüchereien zu neuen Büchern kommen: Die EKZ unterhält ein Lektor*innen-Netzwerk, das die ca. 90.000 jährlichen Neuerscheinungen in deutscher Sprache durchforstet und dann 14.000 bis 16.000 Titel zur Anschaffung für den bibliothekarischen Bestandsaufbau auswählt.Da bin ich mit Lass uns über den Tod reden jetzt also dabei mit folgender Begründung: „Die Autorin (2 Romane) und Bloggerin, die u.a. Theologie studiert hat, fühlte sich

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